Blended Learning: die Mischung macht´s

740845_web_R_by_Harald Schottner_pixelio.deSeien wir mal ehrlich. Eigentlich hat es die Jahre zuvor nicht wirklich funktioniert. E-Learning (Standard WBT/CBT), wenn ich das schon höre, dann denke ich vor allem an: viele unnütze Konzepte, Beratertage, Geld versenken, langweilige Contents und Zielgruppen, die das nicht annehmen. Klar, warum auch? Es hat einfach keinen Spaß gemacht! Das Ergebnis waren „Lernende, die auf Computer starren“.

 

Natürlich gab und gibt es auch wirklich gut gemachte Ausnahmen. Aber können Sie sich noch an alle E-Learnings erinnern, die mehr oder weniger auf den Laufwerken brach liegen?

 

Aber egal, schauen wir nach vorne. Denn jetzt kann tatsächlich Blended Learning funktionieren. Warum? Weil es jetzt eine größere Zielgruppe gibt, die es so will. Es ist nicht mehr nur das Unternehmen, dass Blended Learning aufsetzt. Es sind vor allem die jüngeren, die online lernen wollen. Sie wollen selbst bestimmen, wann, wo und wie sie lernen wollen. Während der Arbeit und nach der Arbeit. Und sie wollen vor allem auf einem mobilen Endgerät lernen.

Dies ist ein weiterer Grund für eine zweite Chance: Heute hat jedes Smartphone eine bessere Bandbreite, als jeder PC, der noch vor 10 Jahren in den Unternehmen stand (teilweise ja heute noch steht). Wir haben schnellere Streaming-Geschwindigkeiten und wir haben neue Endgeräte, auf denen ich mir mal eben schnell meine online-Lernnuggets abholen kann.

 

Kurz zum Begriff: Blended Learning oder bzw. die deutsche Bezeichnung „Integriertes Lernen“ steht für eine Lernform, in der man eine methodisch und didaktisch sinnvolle Verbindung von Präsenzveranstaltungen und modernen Formen des E-Learnings anstrebt.

 

Während meine Generation (Baby Boomer) durch manchmal langweilige Seminare durchgeschleust worden ist und oft heute noch wird, hat die Generation X, Y & Z keine Berührungspunkte z.B. mit den folgenden Tools:

 

  • Video
    • Youtube hat sich in den letzten Jahren auch zu einem interessanten Weiterbildungskanal gemausert. Wussten Sie, dass Sie sich dort z.B. ganze Office-, und Sprachkurse abholen können? Kostenfrei und einer Qualität, die oft den gekauften nichts nachsteht. Hier wird der zukünftige Job des Personalentwicklers auch der sein, im Netz nach den passenden Videos zu recherchieren. Video hat nur ein Problem (wenn es nicht gerade Live-Stream Videos sind ): es ist nicht in Echtzeit. Genauso wie
  • Augemented Reality
    • übersetzt: „erweiterte Realität“, darunter versteht man die computergestützte Erweiterung der menschlichen Sinneswahrnehmung z.B. durch die visuelle Darstellung von Informationen wie Bilder oder Videos mittels Einblendung oder Überlagerung. Im Gegensatz zu
  • Webinaren
    • Webinare sind seit vielen Jahren ein hocheffizientes Medium, um an online Veranstaltungen live teilzunehmen. Hier hat sich HRnetworx als Webinar-Veranstalter im Personal-Bereich, vor allem mit Ganztages-Konferenzen einen echten Namen gemacht.
    • Aber auch hausinterne Webinare setzen sich immer mehr durch, um die interne Weiterbildung voran zu treiben. Alle erforderlichen Endgeräte sind bereits vorhanden und die Software ist mittlerweile recht günstig zu bekommen. Aber vor allem die besseren Bandbreiten und die Bereitschaft der Mitarbeiter haben den Webinaren zum Durchbruch verholfen. Innerhalb einer Webinar-Lösung kann man u.a.
  • Virtual Classrooms
    • anlegen, in der in einzelnen Gruppen online weiter gearbeitet werden kann und am „ende des Tages“ die einzelnen Arbeiten ggf. wieder einer größeren Gruppe vorgestellt werden können. Oft wird hier ein Trainer eingesetzt und gern als
  • Online Coaching
    • Ein online Trainer steht zu bestimmten Uhrzeiten zur Verfügung und/oder moderiert eine Gruppe über den Kurs hinweg. Diese Vorgehensweise, i.B. als Gruppe, bezeichnet man dann auch gern
  • Social Learning
    • Alter Wein in neuen Schläuchen. Gruppenarbeit ist nichts Neues. Neu ist aber jetzt die Methode: online und oft in Echtzeit. Sei es im eigenem Social Intranet ( Enterprise 2.0, Kapitel 8) bzw. im Sharepoint oder auf externen Social networks. In Gruppen diskutieren und voneinander, kollaborativ Netzwerken gehört heute zum guten Ton, um sich weiterzubilden. Wussten Sie, dass Sie diese Sitzungen auch zu einem
  • Podcast
    • konvertieren können, um diese z.B. als Audiodatei im Auto zu hören? Hat sich allerdings nicht wirklich durchgesetzt. Oft, so meine ich, weil man schlicht und einfach nicht daran denkt oder das Know-how nicht da ist, diese Dateien umzuwandeln. Denn eigentlich wäre auch eine schöne Möglichkeit, die in das
  • Mobile Learning
    • Ohnehin wird sich das Lernen im Besonderen hier abspielen. Das Smartphone haben wir immer dabei und somit einen 24/7 Lernzugriff. Wann immer ich lernen will, jetzt kann ich das. Und da der Lernstoff oft in der Cloud liegt, ist die Zugriffs-Barriere kaum noch da. Und für die Lesefreudigen unter uns, ist ggf. das
  • eBook
    • das Richtige. Sie sehen, für alle Lerntypen, das richtige Format. Und darauf kommt es an. Aber, na klar, vor allem die Jüngern wollen abgeholt werden. Das klappt u.a. mit
  • Serious Games
    • recht gut. Übersetzt schlicht und einfach: „Lernspiele“. Nur eben digital. Auch die bekannten Planspiele finden heute immer mehr online statt. Wo voher noch geballert oder eine Farm bewirtschaftet wurde, findet sich jetzt auf dem Tablet ein Assessment wieder, das ich spielerisch durchlebe. Diese Art des Lernens wird sich noch weiter durchsetzen .

 

Interessanterweise erfahre ich immer wieder in meinen Workshops, dass sich der folgende Mega-Trend in der online Weiterbildung noch nicht wirklich rumgesprochen hat:

 

  • MOOC
    • Massive Open Online Course (deutsch: massiver offener Online-Kurs). Dies bezeichnet kostenlose Onlinekurse, die meist auf Universitätsniveau sind. Ich finde das sensationell. Kurse ohne ende – und das kostenfrei. Das ist eine echte Reu.a. volution im Weiterbildungsbereich. Hier haben sich in Deutschland Plattformen wie iversity und mooin gut entwickelt oder coursera, die international sehr gut aufgestellt ist. Geschäftsmodell ist simpel. Die Kurse sind kostenfrei, das Teilnahmezertifikat, oft mit Abschlussprüfung und Identitätsprüfung ist kostenpflichtig. Allerdings sind die Gebühren sehr überschaubar.

 

 

Doch Vorsicht, nicht nur die Jüngeren sind hier unterwegs. Immer mehr auch die Generationen, die hier vorher skeptisch waren, trauen sich nun heran. Das ist nicht unbedingt mehr ein Alters-Thema, sondern ein Kopf-Thema. Denn jetzt greifen auch auf einmal verstärkt Tandem-Modelle. Ältere lernen von jüngeren den Umgang mit der neuen Technik und umgekehrt wird Wissen durch die Älteren vermittelt. Auf einmal macht es Spaß. Und das ist der erfolgskritische Faktor. Lernen muss Spaß machen!

 

Learning on the Job und vor allem die starke Zunahme des informellen selbst-organisierten Lernens im vernetzten Unternehmen (vgl. Enterprise 2.0, Kapitel 8.2.2) sind die neuen Herausforderungen.

 

Doch die größte Herausforderung ist nun, die unterschiedlichen Altersstrukturen und Lerntypen abzuholen und sie mit dem richtigen (Blended)-Konzept auszustatten. Ob jeder für sich oder kollaboratives synchrones oder asynchrones Lernen, dies ist Ihre Aufgabe, es herauszufinden, welche Strategie die sinnvollste in Ihrem Unternehmen ist. Sie benötigen eine Antwort auf die Frage:

 

Was ist die effektive und effiziente Lernumgebung für mein Unternehmen?

 

Und diese sollten Sie sich bitte beantworten, bevor Sie anfangen, didaktische Konzepte zu erstellen. Denn die Konzepte hängen u.a. auch ganz viel mit dem Thema bisherige Unternehmens- und Lernkultur zusammen.

 

Übrigens, interessant finde ich, dass ich noch kein Unternehmen kennengelernt habe, das seine Mitarbeiter gefragt hat: wie würdest Du gern lernen? Ich bin davon überzeugt davon, dass wenn Sie diese Frage stellen würden und die Ergebnisse einer solchen Abfrage für die Umsetzung Ihrer Personalentwicklung ableiten würden, hätten Sie einen großen Schritt Richtung Erfolg und Nachhaltigkeit gemacht.

 

Goldene HR-Regel Wenn Sie nicht von jedem einzelnem Mitarbeiter wissen, was er für ein Lerntyp ist, dann wird jeder Art der Wissensvermittlung sein Ziel verfehlen. Deshalb ist Blended learning ein sinnvoller Kompromiss, der mehreren individuellen Lernstilen gerecht wird.

 

Ich sehe die zukünftige Rolle der Personalentwickler noch stärker in einer Lernprozessbegleitung. Trainer nehmen zunehmend auch die Rolle eines Moderators ein. Vielleicht sogar die eines Lern-Community-Managers. Das Wissen ist zum großen Teil im Netz vorhanden und wartet auf seinen Einsatz.

 

Mein Tipp für Sie, wenn Sie mit einem Dienstleister zusammenarbeiten: Nur wenn dieser die neuen Lernformen mit auf dem Radar – und noch besser Referenzen hat – sollten Sie mit ihm weiterreden. Das setzt natürlich voraus, dass SIE selbst diesen Lernformen gegenüber offen sind. Auch hier gilt: es ist nicht wichtig, ob Sie persönlich dass alles gut oder schlecht finden, sondern was für das Unternehmen und die Mitarbeiter das richtige ist.

 

Abschließend möchte ich Ihnen ein einfaches Beispiel von einem Blended Learning Konzept beschrieben, dass ich mit unserem Herausgeber Arne Prieß zusammen durchgeführt habe. Dabei wollte der Kunde erstmalig Blended learning umsetzen, um auszuprobieren, wie diese kombinierte Lernform im Unternehmen angenommen wird.

 

Herr Prieß zog mich als Experten für Webinare zu Rate. So entstand in unserem Zusammenwirken gemeinsam mit dem Kunden ein Konzept als Mischung von

 

  • Webinar für die Grundlagen und mit Impulsen für die Wichtigkeit des Prozesses im Unternehmen,
  • Präsenztrainings mit vertiefenden Wissensbausteinen, Workshops und Übungen für die Zielgruppen Führungskräfte, HR und Betriebsrat sowie einem
  • Online Coaching nach Abruf durch einzelne Führungskräfte bei der Umsetzung insb. der Gestaltung von smarti-Zielen

 

Das Konzept wurde insgesamt gut angenommen und die Mischung von den Teilnehmern als innovativ und erfrischend empfunden. Neben der Vielfältigkeit der Lernkanäle und –stile ist als kleiner Nebeneffekt natürlich auch die Einsparung eines 2. Präsenztrainingstages und die damit u.a. auch verbundenen Reiseaufwände und –kosten durch das von überall zugänglichen Webinar zu erwähnen. Eine Aufzeichnung des Webinars steht dem Unternehmen auch für die spätere Nutzung z.B. für neue Führungskräfte auch als Podcast zur Verfügung.

Ihr

Tjalf Nienaber

Bildquellenangabe: Harald Schottner  / pixelio.de

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